Wildunger   Die Geburt Christi, Conrad von Soest, 1404

Liebe Gemeinde,

in diesem Jahr feiern wir Weihnachten unter so ganz anderen Umständen. Keine Gottesdienste in unseren Kirchen, unvorstellbar! Doch Weihnachten fällt nicht aus. Ich habe sogar das Gefühl, es ist uns umso wichtiger, Weinachten zu feiern. Das Fest ist ein Licht in diesen dunklen Tagen. Heute, an Heiligabend, erinnern wir uns, die Weihnachtsgeschichte erzählt uns schon immer, was in und unter anderen Umständen als Menschen es erwarten, von Gott her geschieht.

Abraham

Abrahams Gastmahl und die „Alttestamentliche Dreifaltigkeit“ (Ikone von Andrej Rubljew; um 1425)

Gedanken zum Predigttext: 1. Mose18,1-15

Liebe Gemeindeglieder!

An dem Tag, als er sie nun endlich besuchen kam, hatte Sarah nur noch ein Lachen übrig für Gott. Die ganze Zeit hielt sie sich still und arbeitsam im Hintergrund, während ihr Mann den hohen Gast eifrig umsorgte und empfing. Bis sie sich hörbar Luft verschaffen musste – und die angestaute Sprachlosigkeit, die angehäufte Frustration, die Zumutung ihres Lebens prustend, seufzend, hin-ausdrängte und ihr Lachen laut vernehmlich in der Luft lag über Gottes Besuch.

Der Gast war eine merkwürdige Erscheinung. In der Wüste werden die Sinne vielfach auf die Probe gestellt. Dennoch schälten sich aus dem Flimmern am Horizont drei Gestalten heraus, in denen Abraham sofort die Gegenwart Gottes bei seinen Zelten sah. Es ist sein Geheimnis, was ihn dazu veranlasste. Vielleicht war er vorbereitet, vielleicht wartete er auf ein Zeichen, vielleicht war er verzweifelt, weil es bislang nicht so richtig danach aussah, dass Gottes Verheißungen für sein Leben fruchtbar werden sollten. Vielleicht sehnte er sich in seinem Wüstenlager endlich nach einem Neu-anfang. Immerhin ließ er ein Festmahl auftischen und feierte sinnlich Gottes Gegenwart. Im Gespräch wirkten die drei wie einer, von dem die Worte Gottes selbst ausgingen. Und es lag die Frage in der Luft, ob diesen Worten noch zu trauen ist,

Pfarrer Hardy Rheineck beteiligt sich an den Hoffnungsbotschaften aus der Martinkirche Kassel, welche von Pfarrerinnen und Pfarrern des Stadtkirchenkreises gestaltet werden. Die Botschaft finden Sie auf youtube.

Niko

Lieber Leserinnen und Leser,

heute ist der 6. Dezember, Nikolaustag! Besonders für Kinder ist das ein besonderer Tag, auf den sie sich sehr freuen. Darum feiern wir einen Familiengottesdienst. Im Mittelpunkt steht eine anrührende Geschichte, die ich auch im Sonntagsgruß für heute erzählen möchte:

Es ist die Geschichte von Avarizzo. So hieß ein Mann, von dem die Menschen sagten, dass er ein Herz aus Stein habe. Was meinten die Menschen damit? „Der hat ein Herz aus Stein…“ Sie meinten, dass Avarizzo sich sehr kalt und hart verhielt. Wie war es dazu gekommen? Was hatte sich Avarizzo gedacht?

„Ich will der Allergrößte sein. Ich will der Allerreichste sein. Ich will der Allererste sein.“ So dachte Avarizzo. Er musste ganz viel haben und immer alles festhalten.

Eines Tages nämlich hatte Avarizzo eine Stimme gehört. Woher war sie gekommen? Von außen? Von innen? Hörte er sie, als er wach war? Oder war alles ein Traum? Die Stimme flüsterte: „Avarizzo, ich mache Dich zum reichsten, zum mächtigsten Mann in der Stadt, ja im ganzen Land. Willst du?“ „Ja, ja, nichts lieber als das“, antwortete Avarizzo. „Gut“, sagte die Stimme. „Aber das kostet Dich etwas. Es kostet Dich Dein menschliches Herz. Gib es mir! Ich will es haben. Und ich gebe Dir dafür ein Herz aus Stein. Dieses Herz macht Dich mächtig und groß. Es übersieht alle Tränen der Menschen. Nichts kann es rühren, keine Not, kein Elend, keine Bitte. Mit diesem Herz kannst du Dir alles nehmen, was Du willst. Bist Du einverstanden mit dem Tausch?“

Wie gut ist es, dass wieder Advent ist: die Zeit des Anfangs, des Erwartens, dass die Welt ein gutes Ende nimmt, dass vor Gott anderes gilt als Macht und Geld und dass Menschenherzen durch Jesus erwärmt und erleuchtet werden.

Schon im Alten Testament, beim Propheten Sacharja stehen Worte, in denen diese Sehnsucht ausgedrückt und verheißungsvoll von Gott bestätigt wird.

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9, 9-10)

Zuerst geht es hier um Menschen, die sich mit Jerusalem verbunden fühlen und von Zion etwas erwarten. Menschen, die den Blick einnehmen von der Innenseite dieser Stadt, in der schon damals und bis heute eine bunte Mischung aus Menschen vieler Völker leben, Menschen, die vieles trennt: die Kultur, die Religion, die Sprache, die Vorstellungen, wie gelebt und regiert werden soll; aber doch eines eint, dass sie von Gott etwas erwarten, sogar das Entscheidende erwarten, nämlich eine Änderung der Verhältnisse. Es eint die Jerusalemer jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubens, ja sogar die Bahai, der Glaube, dass sich etwas ändern muss und sich etwas ändern wird. Es werden hier alle Menschen angesprochen, diejenigen, die leiblich in der Stadt präsent sind, aber auch diejenigen, die zur Zeit nur ihre geistliche Heimat dort haben. Sie alle sollen sich freuen. Sie sollen sich sehr freuen, ja sie sollen jauchzen.

 
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