BreughelDie sieben Werke der Barmherzigkeit
Pieter Breughel

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

bei einer Reise habe ich einmal einen indischen Tempel besuchen können. Während des ganze Besuches hörten wir eine Stimme, die die vielen Namen der Gottheit sang. Es war eine sehr beeindruckendes Erlebnis. Auch im Islam gibt es die Tradition der Namen Allahs, die die Menschen ehrfurchtsvoll nennen. Auch wir haben solch eine Tradition. „Es segne euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige“ so spreche ich den Segen am Ende einer Andacht. Wenn ich Gott so nenne, so ist er die Kraft über die hinaus nichts vorstellbar ist und er ist zugleich die Barmherzigkeit.

Wie gut ist es, dass wieder Advent ist: die Zeit des Anfangs, des Erwartens, dass die Welt ein gutes Ende nimmt, dass vor Gott anderes gilt als Macht und Geld und dass Menschenherzen durch Jesus erwärmt und erleuchtet werden.

Schon im Alten Testament, beim Propheten Sacharja stehen Worte, in denen diese Sehnsucht ausgedrückt und verheißungsvoll von Gott bestätigt wird.

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde. (Sacharja 9, 9-10)

Zuerst geht es hier um Menschen, die sich mit Jerusalem verbunden fühlen und von Zion etwas erwarten. Menschen, die den Blick einnehmen von der Innenseite dieser Stadt, in der schon damals und bis heute eine bunte Mischung aus Menschen vieler Völker leben, Menschen, die vieles trennt: die Kultur, die Religion, die Sprache, die Vorstellungen, wie gelebt und regiert werden soll; aber doch eines eint, dass sie von Gott etwas erwarten, sogar das Entscheidende erwarten, nämlich eine Änderung der Verhältnisse. Es eint die Jerusalemer jüdischen, christlichen und muslimischen Glaubens, ja sogar die Bahai, der Glaube, dass sich etwas ändern muss und sich etwas ändern wird. Es werden hier alle Menschen angesprochen, diejenigen, die leiblich in der Stadt präsent sind, aber auch diejenigen, die zur Zeit nur ihre geistliche Heimat dort haben. Sie alle sollen sich freuen. Sie sollen sich sehr freuen, ja sie sollen jauchzen.

 
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