Gruß zum Sonntag Reminiszere, 28.02.2021
Gedanken zum Predigttext: Jesaja 5,1-7

Liebe Gemeindeglieder!
Es sind schräge Töne, die durch den Predigttext vom HERRN der himmlischen Heerscharen (=Zebaoth) in unsere Sonntagsbeschaulichkeit hinüberklingen. Während wir uns freuen am widererwachten Gesang der Vögel, ersten warmen Tagen, dem zarten Sprießen früher Blumen und banger Hoffnung auf nahe Lockerungen, wirkt er fast wie deplatziert. Irritierend hoffnungslos und gnadenlos. Der Prophet Jesaja lässt Gott ein Lied singen von der Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit der Welt.

Dabei setzt es ganz gefällig ein, ruft schöne Bilder wach. Ein „Weinberglied“, das einem Liebeslied gleicht: Es er-zählt von einem lieben Freund, der voller Leidenschaft einen üppigen Weinberg hegt und pflegt. Man kann sich vorstellen, wie alle Lebensenergie des Freundes um dieses Biotop kreist und sich aus dessen Wachsen und Gedeihen speist. Dann ein jäher Bruch durch eine Schlusszeile, die alle schönen Bilder auslöscht: Der Weinberg bringt nur schlechte Trauben. Ich stelle mir dazu einen schrägen Schlussakkord vor, der an Zahnscherzen erinnert. Der Freund ist dann nicht mehr ganz so lieb.

Schokolade

Liebe Gemeinde,
„Die zarteste Versuchung, seit es Schokolade gibt.“ Kennen Sie diesen Werbeslogan? Ich denke schon, schließlich war es mehr als 40 Jahre das Motte eines bekannten Schokoladen-Labels. Wahrscheinlich würden daher auch eine ganze Reihe Menschen der Aussage zustimmen, dass Schokolade definitiv eine Versuchung ist. Man möchte vielleicht bewusst nur ein Stück davon essen, doch schon ist die ganze Tafel aufgegessen. Eine Versuchung, die Sie vielleicht auch kennen.
Der heutige Sonntag „Invokavit“ regt als erster Sonntag in der Passionszeit an über die Versuchungen des Lebens nachzudenken. Was sind die Dinge, die mich für sich ganz vereinnahmen wollen? Was sind die Dinge, die mich von Gott wegziehen wollen? Die Bibeltexte zum heutigen Sonntag geben uns hier Anregung und Ermutigung zugleich: So berichtet der Evangeliums-Text von der Versuchung Jesu. In Evangelium nach Matthäus lesen wir im 4. Kapitel, das Jesus vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wurde und dort vom Widersacher auf die Probe gestellt wurde.
Drei Versuchungen muss Jesus widerstehen: In der ersten Versuchung geht es um den Hunger, um die elementarsten menschlichen Bedürfnisse. In der zweiten Versuchung geht es darum, inwieweit man Gott herausfordern darf und in der dritten Versuchung um die Verlockungen von nahezu grenzenloser Macht. Jesus widersteht diesen Versuchungen indem er immer wieder auf Gott, dessen Zusagen und dessen Autorität verweist.

Säen 7 02

 

 

Jesus erzählt ein Gleichnis: »Ein Bauer ging aufs Feld, um seine Saat auszusäen. Während er die Körner auswarf, fiel ein Teil davon auf den Weg. Die Körner wurden zertreten, und die Vögel pickten sie auf. Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden. Die Körner gingen auf und vertrockneten schnell wieder, weil sie keine Feuchtigkeit hatten. Ein weiterer Teil fiel zwischen die Disteln. Die Disteln gingen mit auf und erstickten die junge Saat. Aber ein anderer Teil fiel auf guten Boden. Die Körner gingen auf und brachten hundertfachen Ertrag.«
Lukasevangelium 8,4-8

 Liebe Sonntagsgruß-Leserinnen und -leser,

das Feld ist vorbereitet, die beiden Männer haben Sorgfalt reingesteckt und den Boden gelockert, Steine weggeräumt, gedüngt. Nun säen sie aus.

So ähnlich muss das Bild gewesen ein, das Jesus bei diesem Gleichnis vor Augen hatte. Landmaschinen gab es noch nicht, die Körner fielen, wohin es sie zufällig trug. Unser Herz, sagt Jesus später, gleicht einem solchem Feld. Wie Samenkörner auf den Boden, so fallen Worte in unser Herz. Manche gehen auf und wachsen schnell. Manche sind dornig, wirr, erdrücken alles andere. Manche vertrocknen oder werden zertreten. Manche fallen auf gutes Land, wachsen und bringen gute Frucht.

Worte wirken. Sie geben Impulse. Sie bilden unsere Sicht der Dinge und lassen uns handeln. Heute sind Worte auch oft verbunden mit Bildern, mit Musik und Filmen.

Sonntagsgruß
14. Februar 2021 Estomihi
Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei. »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst's nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch! Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.
Jesaja, Kapitel 58

Liebe Leserinnen und Leser,

der Abschnitt aus dem Prophetenbuch des Jesaja enthält drei Teile. Zuerst ist da die Aufforderung an den Propheten, mit der Verkündigung nicht hinter dem Berg zu halten. Laut und deutlich soll er seine Stimme erheben.

Es folgt eine Klage Gottes, in der er dem Propheten erst ausführlich schildert, was ihn bedrückt und dann, wie er denkt. Der ganze Text ist also eine Anrede Gottes an den Propheten, der wir zuhören dürfen. Diese besondere Form des Mit-Hörens, was Gott in seinem Innersten bewegt, ermöglicht ein selbstbestimmtes menschliches Umdenken, weil sie nicht als moralische Anrede oder Aufforderungskatalog daherkommt. So etwas weckt in der Regel nur inneren Widerstand. Was bringt Gott nun vor?

    Wegweiser

Rut zieht mit Noomi nach Bethlehem (Rut 1, 1-19a)

Den Bibeltext finden Sie am Ende des Sonntagsgrußes

 

Liebe Sonntagsgrußleserinnen und -leser,

das Buch Rut ist als biblisches Buch einmalig ganz aus der Perspektive von Frauen erzählt. Noomi entschließt sich nach dem Tod ihrer Söhne zur Rückkehr in ihr Heimatland Juda. Ihren beiden Schwiegertöchtern Orpa und Rut empfiehlt sie, im Land der Moabiter zu bleiben. Rut aber lässt sich nicht davon abbringen, Noomi zu begleiten: „Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.“ (Rut, 1, 16) Der Text für den heutigen Sonntag endet damit, dass sich die beiden auf den Weg machen und in Bethlehem ankommen. Wie es weitergeht, bleibt offen. Diejenigen, die die Geschichte von Rut kennen oder das Buch bis zum Ende lesen, erfahren, dass es für Rut gut ausgeht.
Das konnte sie aber bei ihrer Entscheidung noch nicht wissen. Alles war offen. Sie entschied sich für die Treue zu ihrer Schwiegermutter und für eine Zukunft, von der sich nicht wissen konnte, wie sie sich entwickeln würde. Es war eine Lebensentscheidung.

 
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