Der ungläubige Thomas

Der ungläubige Thomas (um 1600) - zu Johannes-Evangelium Kapitel 21, Verse 24 bis 29
Michelangelo Merisi da Caravaggio, Potsdam, Schloß Sanssouci

 

Liebe Leserinnen und Leser,

vor 14 Tagen sind sie durch unsere Stadt gelaufen – Querdenker und Coronaleugner. Ohne Maske. Und mit der Botschaft: Was ich nicht sehe, das ist existiert auch nicht. Und wenn doch, dann steckt eine finstere Verschwörung dahinter. Und ja, es ist schwer, mit etwas umzugehen, das man nicht sehen kann, nicht anfassen, nicht riechen und schmecken. Etwas, das unseren alltäglichen Sinnen und Erfahrungen nicht zugänglich ist.

Und ja, es ist schwer, etwas zu sehen, das schmerzlich ist, Angst macht und Leid oder gar Tod bedeutet. Auch davor möchten manche lieber die Augen schließen und sich einen anderen Vers darauf machen. Wir sind in der Osterzeit.

Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. Lutherbibel, Hebräerbrief, Kapitel 11, Vers 1

Liebe Gemeinde,

der oben stehende Satz ist ein sehr bekannter Satz der Bibel, weil er ein menschliches Grundgefühl ausdrückt. Glauben und Sehen wird als Gegensatz wahrgenommen. Viele Menschen denken, dass sie das, was sie sehen können, nicht mehr zu glauben brauchen, weil sie es nun wissen. Und was sie (noch) nicht sehen können, womit sie aber rechnen wollen, müssen sie glauben. So einfach ist es aber nicht! Es gibt zu viele Dinge, die wir zwar sehen oder mit anderen Sinnen wahrnehmen, die sich aber als Täuschung erweisen. Wenn Richter Zeugen befragen, stellen sie oft fest, dass die Menschen, die alle genau das Gleiche gesehen haben, sehr unterschiedliche Dinge wahrnehmen und sich dann auch noch ungenau daran erinnern. Und dann gibt es die vielen Dinge, die wir nicht sehen und niemals sehen werden, weil ihr Wesen unsichtbarer Natur ist, die aber dennoch die Grundpfeiler des Bildes sind, welches wir von uns haben: Geduld, Jähzorn, Güte, Gier, Neid, Freude, Glück, Liebe und vieles mehr. Gedanken zählen auch dazu. Sie bestimmen unser Leben, aber wir sehen sie nicht. 

 Lätare Fußwaschung

 

 

Liebe Sonntagsgrußleser,

kostbar hat der Maler das Ereignis gemalt, von dem die Evangelien berichten. Auf dem Weg nach Jerusalem, wo Jesus wenige Tage später sterben wird, macht er noch einmal Station im Haus von Freunden in Betanien. Er ist Gast bei einem gemeinsamen Mahl. Da öffnet sich die Tür, Maria kommt herein und salbt Jesu Füße. Das ist eine außergewöhnliche Geste, die zugleich ganz liebevoll und Ausdruck tiefe Verehrung. Kostbar ist das duftende Öl mit dem Maria Jesu Füße salbt, 300 Denare, ca. 500 Euro wären es heute wert. Was für eine Verschwendung, werfen sie Maria vor. Das kostbare Duftöl hätte verkauft und das Geld doch besser verwandt können.

Kostbar ist der Impfstoff, mit dem gegenwärtig bei uns Menschen immunisiert werden. Noch muss man Geduld haben, bis ausreichend nachproduziert wird, Monat für Monat. Darum wird nach Bedürftigkeit geimpft, die Verletzlichsten zu erst, Menschen in Pflegeheimen, Menschen über 80 Jahren, solche mit Vorerkrankungen und andere.

In den letzten Wochen habe ich jemanden in einem Pflegeheim besucht, einen ältereren Herr, der einige Jahre schon nur noch liegt. Jetzt spricht er auch nicht mehr. Besuche nimmt er nach einer Weile wahr. Berührungen, Lieder und Gebete – da öffnet er die Augen und hört und spürt dem nach.
Er ist geimpft worden und ich habe mich gefreut. Wie gut, daß er geschützt ist, wie gut in einem Land zu leben, wo das so geschieht. Er ist in der ersten Kategorie der zu Impfenden, bei denen, die besonders verletzlich sind.

Kreuzweg

Liebe Leserin, lieber Leser,

KreuzWeg“ heißt ein Buch mit Texten und Holzdrucken zum Leidensweg Jesu, das ich vor einiger Zeit geschenkt bekam. Die Bilder sind von einer ungarischen Künstlerin Dávid Mária Kiss (1930-2002) und die Texte von zwei deutschen Autorinnen Vera Krause und Ancilla Röttger.

Wenn ich das Buch schaue, spricht mich ein Bild besonders an, weil es mich fragend macht: Eine Frau mit einem Tuch in der Hand. Kommt diese Frau in der Passionsgeschichte vor? Mir fällt keine entsprechende Stelle in der Bibel ein. Wohl aber berichtet der Evangelist Lukas darüber, dass weinende Frauen am Wege standen, als Jesus seinen Leidensweg ging (Lk 23,27). Und es gibt eine Legende von einer Frau Namens Veronika, die Jesus ein Schweißtuch gereicht haben soll. Diese Legende ist die Grundlage für das vorliegende Bild und die Gedanken dazu.

So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Epheserbrief Kapitel 5

Liebe Gemeinde,
die meisten Menschen wollen die Dinge des Lebens gerne richtig machen. Sie kommen dabei zu durchaus unterschiedliche Urteilen, was richtig ist und verhalten sich dementsprechend auch verschieden.
Die Bibel enthält eine große Fülle von Erzählungen über Menschen, die in ihrer Zeit und auf ihre Weise versucht haben, sich richtig zu verhalten.
Eva gebraucht die gottgegebene Freiheit. Noah baut eine schützende Arche. Abraham zieht aus seiner Heimat in ein ihm unbekanntes Land. Mose versucht sich als Gesetzgeber, David als König und Liederdichter. Maria ist ganz Mutter.
Die beiden Sätze aus dem Epheserbrief geben eine grundsätzliche Regel an, wie auch wir in unserer Zeit und auf unsere Weise ein richtiges Leben führen können.

 
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