Sonntagsgruß 17 Januar

Alabasterkrug, 1. Jahrhundert nach Christus,
Domschatz von St. Servatius, Quedlinburg

Liebe Sonntagsgrußleserinnen und -leser,

ungefähr um das Jahr 960 schenkte Kaiser Otto I. dieses schöne Albastergefäß aus der Zeit Jesu der Stiftskirche zu Quedlinburg. Es soll eines der Gefäße gewesen sein, in denen das Wasser aufbewahrt wurde, das Jesus auf der Hochzeit zu Kana in Wein verwandelte, weil dort der Hochzeitswein für die Gäste ausgegangen war. So berichtet das Johannesevangelium vom ersten Wunder, das Jesus wirkt. (Joh. 2,1-11)

Vor einiger Zeit habe ich mir diesen Krug dort anschauen können. Und manches ist mir durch den Sinn gegangen. Wer in Quedlinburg das Gefäß anschaut, kann quasi ein bisschen bei diesem Fest dabei sein. Er ist unter den Festgästen und mit dem Wunder und der Festfreude verbunden. Dieses Wunder Jesu bewegte die Menschen damals wie heute. Manche sagen aber auch, – es ist eigentlich ein ganz überflüssiges Wunder. Keiner wird gesund, keiner wird satt dabei, keinem wird die Sünde vergeben, so dass er zu einem neuen Leben käme.

Einfach nur für‘s Partymachen ein Wunder?

Sonngruß 10 01Mosaik über die Schöpfung Gottes

 

Ich ersuche euch nun, liebe Geschwister, solange die Barmherzigkeit Gottes währt, euren Leib als ein lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer darzubringen; als wohlüberlegte Gottesverehrung durch euch.Passt euch auch nicht dieser Welt an, sondern gestaltet sie in Wiedererneuerung des Sinnes um, damit ihr im Willen Gottes bleibt, im Guten und Wohlgefälligen und Vollendeten.
Römerbrief 12, 1-2

Liebe Leser*innen des Sonntagsgrußes,

was wird in dieser Zeit nicht alles von uns verlangt? Abstand voneinander halten, das Gesicht verbergen, Kontakte meiden. Würden diese Aufforderungen für sich genommen, müsste jeder christlich empfindende Mensch sofort in Widerstand dazu gehen. Jesus scheute ja auch keine Nähe und verbarg sein Angesicht nicht. Doch diese Aufforderungen stehen nicht für sich im leeren Raum, sondern sind aus einem Grund und auf ein Ziel hin so formuliert: das Wohlergehen von uns Menschen.

Ganz ähnlich ist es mit dem, was Paulus schreibt. Seinen Leib als ein Opfer hinzugeben widerspräche dem, was er sonst geschrieben hat, dass nämlich Jesus als einmaliges Opfer allen anderen Opfern ein Ende setzt, und seien sie noch so gut gemeint und noch so teuer erkauft. Das Leben kostet uns Menschen nichts mehr, und Gott verlangt auch nichts von uns, weil er uns aus reiner Herzlichkeit beschenkt. Das heißt nicht, dass unser Leben und was wir damit machen, wertlos sei. Ganz im Gegenteil! Auch hier geht es um unser Wohl.

Weil wir durch Gottes Güte frei sind von Bewertungen und folglich keinen berechenbaren Preis haben, kommt uns ein unermesslicher Wert zu. Weil wir also bei Gott so hoch im Kurs stehen, sagt Paulus, können wir unser Leben so einsetzen, dass es etwas Gutes bewirkt. So wie Jesus das vielfach auch tat.
Dieser Einsatz kann bei jeder und jedem sehr verschieden aussehen und doch aus der uns allen gemeinsamen Erfahrung der wunderbaren Barmherzigkeit Gottes heraus geschehen. So wird diese göttliche Herzlichkeit, in der alles Leben gründet, auch für die sichtbar, die sie bisher noch nicht bewusst wahrgenommen haben. Denn erreicht, berührt und bewegt hat Gott uns alle und alles, was lebt. Ihn und seine Wohltaten aber auch wahrzunehmen, darin unterscheiden wir Menschen uns. Ob und wie ein Mensch Gott begegnet, erfährt nur er selbst. Paulus warnt daher, unser Leben an Maßstäben zu messen, wie wir sie aus unserem Alltag kennen und diese Formen des Daseins als Richtschnur zu nehmen. Vielmehr sollen wir zuerst aus der Glaubenserfahrung heraus leben.

Dabei ist das Bewusstsein der eigenen Gottesgegenwart entscheidend. Das Geschehen, innerhalb dessen ein Mensch Gott empfängt, empfindet und erkennt, bezeichnet Paulus als Wiedererneuerung des Sinnes. Sie vollzieht sich tief in uns und öffnet eine Sicht in die Gedanken Gottes selbst. Ein Mensch, der Gott so in sich erlebt, kennt seinen Willen, weiß, was Gott weiß, sieht, was Gott sieht und tut, was Gott tut.

Das ist aber nicht nur etwas für wenige Auserwählte, sondern ist für jeden Menschen möglich. Denn ein jeder Mensch ist in seiner Weise gleich unmittelbar zu Gott und gleich nah an seinem Herzen. Jeder Mensch weiß, was gut ist und hat schon Gutes erfahren. Jeder Mensch lebt und jeder nutzt seinen Verstand in der ihm eigenen, von Gott verliehenen Weise. Diese bunte Vielfalt der Schöpfung macht ihren Reichtum aus. Dies zu betrachten und sich selbst als wesentlichen Teil darin zu verstehen und danach zu leben ist wahre Gottesverehrung und vollendetes Menschsein.

Herzliche Grüße- auch von Jutta Richter-Schröder und Gudrun Schlottmann -

Hardy Rheineck

BreughelDie sieben Werke der Barmherzigkeit
Pieter Breughel

 

 

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde,

bei einer Reise habe ich einmal einen indischen Tempel besuchen können. Während des ganze Besuches hörten wir eine Stimme, die die vielen Namen der Gottheit sang. Es war eine sehr beeindruckendes Erlebnis. Auch im Islam gibt es die Tradition der Namen Allahs, die die Menschen ehrfurchtsvoll nennen. Auch wir haben solch eine Tradition. „Es segne euch Gott, der Allmächtige und Barmherzige“ so spreche ich den Segen am Ende einer Andacht. Wenn ich Gott so nenne, so ist er die Kraft über die hinaus nichts vorstellbar ist und er ist zugleich die Barmherzigkeit.

sonnt 3 01 

Liebe Gemeinde,

neu anfangen zu können –, manchmal wünsche ich mir das, gerade am Jahresanfang. Doch dann merke ich, dass ich das Vergangene nicht einfach dadurch loswerde, dass ich einen neuen Kalender an die Wand hänge, sondern dass mich manches, ob nun Gutes oder Böses, weiterhin begleiten wird. Neu anfangen zu können heißt nicht, dass mein Leben auf Null gesetzt wäre wie eine neu formatierte Festplatte. Sondern neu anfangen zu können heißt, vor dem Hintergrund vergangener Erfahrungen einen neuen, einen anderen Weg einzuschlagen.

Einer der bemerkenswertesten Neuanfänge für mich ist, wie sich das Verhältnis von Juden und Christen in unserem Land nach den Verbrechen des Nationalsozialismus entwickelt hat. Nichts davon ist vergessen, und doch ist so viel Neues und Gutes entstanden. Nicht zuletzt durch das gemeinsame Lesen der biblischen Texte.

       Ich steh an deiner Krippen hier

  1. Ich steh' an deiner Krippen hier,               Krippe 27 12
    o Jesu, du mein Leben;
    ich komme, bring' und schenke dir,
    was du mir hast gegeben.
    Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,
    Herz, Seel' und Mut, nimm alles hin
    und laß dir's wohl gefallen.
  1. Da ich noch nicht geboren war,
    da bist du mir geboren
    und hast dich mir zu eigen gar,
    eh’ ich dich kannt’, erkoren.
    Eh’ ich durch deine Hand gemacht,
    da hast du schon bei dir bedacht,
    wie du mein wolltest werden.
  1. Ich lag in tiefster Todesnacht,
    du warest meine Sonne,
    die Sonne, die mir zugebracht
    Licht, Leben, Freud’ und Wonne.
    O Sonne, die das werte Licht
    des Glaubens in mir zugericht’,
    wie schön sind deine Strahlen.
  1. Ich sehe dich mit Freuden an
    und kann mich nicht satt sehen;
    und weil ich nun nichts weiter kann,
    bleib’ ich anbetend stehen.
    O daß mein Sinn ein Abgrund wär’
    und meine Seel’ ein weites Meer,
    daß ich dich möchte fassen.

Liebe Leserinnen und Leser,

„Ich steh an deiner Krippen hier“ – dieses Lied kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn ich zum Christfest die Krippe betrachte. Ein besonderer Augenblick. Dieses Bild bewegt mich. Und ich denke, es geht nicht nur mir so.>
In diesem Jahr Heiligabend sind viele Kinder und Erwachsene vor der erleuchteten Krippe im Flur des Katharina-von-Bora-Hauses stehen geblieben und haben sie angeschaut, haben überlegt, wer bei dem Jesuskind wacht. Sind es die Hirten oder die Heiligen drei Könige? Wo sind denn eigentlich die Schafe? Sind sie allein auf den Feldern oder haben die Hirten sie mitgenommen? Ist denn das Jesuskind auch warm genug angezogen? Solche Fragen waren zu hören. Da war ein Glanz in den Augen zu sehen, ein Staunen zu spüren.

„Ich steh an deiner Krippen hier“ – einfach nur da zu stehen, ist ja gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Es gibt dieses Unwohlsein, wenn man in der Gegend herumsteht, irgendwie fehl am Platz mit dem Gefühl, zu viel Raum einzunehmen, nicht richtig atmen zu können, den Blick herumschweifen zu lassen - gehemmt, verhalten, mit Abstand zu den anderen.

 
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