Soviel du brauchst ...

 

Bild imperiale Lebensweise 2

Abb. Common Future e.V./I.L.A Kollektiv (2017). Auf Kosten anderer? Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert. Oekom Verlag, S.7

 Uns geht es hier in Kassel gut! Klar, manchmal sind wir traurig oder wütend, sind krank oder fühlen uns alleine. Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Krise erleben wir einiges an negativen Emotionen. Aber sind wir mal ehrlich: im Großen und Ganzen können wir uns nicht beschweren. Wir leiden keinen Hunger, wohnen in einer gemütlichen Wohnung oder sogar in einem Haus, und können oder konnten uns nach einem Arbeitstag noch mit Freund*innen treffen, Abendessen kochen, Fernsehen gucken oder ein gutes Buch lesen. Wenn wir unsere Arbeit verlieren, dann können wir Arbeitslosengeld beziehen. Es gibt sogar Kurzarbeiter*innen-Geld. Wenn wir krank sind, dann haben wir die Krankenkasse, die die Kosten unsere Behandlung übernimmt.

Menschen an anderen Orten geht es bei weitem nicht so gut wie uns. Sie leben in prekären Bedingungen. Viele haben keinen Schulabschluss, weil sie schon jung Geld verdienen müssen, um sich und ihre Familie zu finanzieren. Sie arbeiten oft mehr als acht Stunden am Tag. Auf dem Teller fehlt es häufig an ausgewogener Ernährung. Urlaub und Reisen sind nur im Traum Realität.

Wenn wir mit Menschen hier in Deutschland über unsere gute Situation und die schlechte Situation von Menschen in anderen Ländern sprechen, dann hören wir häufig Aussagen wie, „aber wir haben schließlich auch hart dafür gearbeitet“.

Das stimmt aber so nicht. Denn unser Wohlstand ist auf Kosten anderer entstanden und wird noch immer von anderen möglich gemacht. In der Fachliteratur wird darum auch von unserer imperialen Lebensweise gesprochen.

Wir leben auf Kosten anderer, denn unsere Lebensweise beutet andere Menschen auf unserem Globus und auch die Natur und Biosphäre aus. Unsere Kleidung wird von Menschen in Bangladesch zu einem Hungerslohn zusammengenäht. Um unsere Alten und Kranken kümmern sich vorrangig Frauen aus Osteuropa und Asien, ebenfalls zu günstigen Preisen. Häufig hinterlassen sie Kinder in ihrem Heimatland, die ohne ihre Mutter aufwachsen müssen. Damit wir günstig Fleisch essen können, werden Tiere gequält und der Regenwald gerodet. Der Klimawandel bringt die Intensivität unserer imperialen Lebensweise zum Vorschein. Denn durch die Ausbeutung der Natur und ihrer Ressourcen, die unsere Lebensweise überhaupt erst möglich machen, ist es erst zum menschengemachten Klimawandel gekommen. Fahren mit dem Auto, Fliegen mit dem Flugzeug, Fernseher, Laptop und Handy, aber auch Schokolade, Banane und Steak – all dies trägt massiv zur Erderhitzung bei. Die Kosten unserer Lebensweise lagern wir aus.

Es sind unsere Kinder und Urenkelkinder, die unter den Folgen des Klimawandels und der Naturzerstörung besonders leiden werden. Um auch den zukünftigen Generationen ein lebenswertes Dasein auf diesem Planeten zu ermöglichen, verlangt es nach einer Lebensweise, die ein gutes Zusammenleben aller ermöglicht. Dies bezieht auch die Umwelt mit ein. Ein Vorschlag für so eine Lebensweise kommt von den indigenen Völkern der Anden und des Amazonas, und heißt auf Quechua „Sumaq Kawsay“. Grundlage dieser Lebensphilosophie ist ein Leben in Harmonie mit sich selbst, den Mitmenschen und der Natur.

Wir möchten dich einladen, im Rahmen dieser Fastenaktion (und langfristig), deine Lebensweise zu überdenken und erste Schritte für ein gutes Zusammenleben zu tun! Informiere dich doch mal über solidarische Landwirtschaft in und um Kassel. Säe im Stadtviertel Blumensamen für Bienen und gehe doch mal in den Kasseler Unverpacktläden einkaufen. Überlege, wie du deine Nachbar*innen unterstützen kannst. Vielleicht kannst du gut Sockenstopfen, Stricken, in die Wand Löcher bohren, oder platte Fahrradreifen reparieren? Was können deine Freund*innen und Nachbar*innen gut? Könnt ihr vielleicht Kleidung oder Küchengeräte ausleihen oder tauschen? Oder überlegt euch Gerichte mit regionalen Produkten und wenig oder keinen tierischen Produkten und kocht füreinander. Hast du vielleicht einen Obstbaum im Garten und könntest zusammen mit einer Person, die kein eigenes Obst zur Verfügung hat, gemeinsam dieses Obst einkochen? Bei all diesen Aktionen tut ihr nicht nur euch, sondern auch der Umwelt und den Menschen im globalen Süden etwas Gutes!

  • Ein gutes Leben für alle ist also kein Verzicht, sondern ein Gewinn! Habt Freude daran! Dies wünschen euch,

Rosalio Ochoa Saavedra und Daria Mundt, Mitglieder im Kirchenchor

Zum Weiterlesen und Informieren:

https://aufkostenanderer.org/

https://dasgutelebenfüralle.de/

 
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