Fastenkalender Klima

So viel Du brauchst – unser Essen, unser Klima!

Fleisch war (und ist) ein Zeichen des Wohlstands. Früher war Fleisch in Deutschland etwas Besonderes und kam, wenn überhaupt, einmal in der Woche auf den Tisch. Mit zunehmendem Wohlstand und der heutigen Massentierhaltung ist es nun möglich, dass täglich Fleisch auf unserem Tisch steht. Denn sind wir ehrlich: wenn wir die Tiere, die wir essen, selbst aufziehen, schlachten, ausnehmen und verarbeiten müssten, würden wir nicht jeden Tag Fleisch essen. Im Kontext des Tierwohls kennen wir den Diskurs, kein Fleisch oder gänzlich keine tierischen Produkte zu essen. Aber warum reden wir im Kontext Klimawandel so häufig von einer Reduktion des Konsums von tierischen Produkten?

Global macht der Anteil der Treibhausgas-Emissionen der Agrar- und Ernährungswirtschaft insgesamt über ein Viertel der menschengemachten Treibhausgase aus und trägt damit maßgeblich zum Klimawandel bei. Mit 42% stellen die CO2-Emissionen den größten Anteil unter den Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft dar. Im Mittel dauert es 120 Jahre bis CO2 aus der Luft wieder abgebaut wird.

Bei der Tierproduktion wird CO2 durch die eingesetzte fossile Energie bei der Futter- und Düngemittelproduktion, dem Futtermitteltransport und vor allem durch die Abholzung und Verbrennung von Wäldern für Acker- und Weideflächen emittiert. Die Entwaldung trägt durchschnittlich zu 20% aller globalen Treibhausgase bei. Durch die (Brand-) Rodung von Wäldern gehen die Bäume zudem als Sauerstoff-Produzierende und CO2-Aufnehmende verloren.

Ich finde es heuchlerisch, wenn wir hier im globalen Norden die Regierungen im globalen Süden dafür kritisieren, dass sie nichts gegen die (Brand-) Rodung des Regenwaldes unternehmen, wenn wir zugleich als Staat Freihandelsabkommen abschließen, die genau diese Rodung fördern, und als Konsumierende die Nachfrage nach Acker- und Weideflächen im globalen Süden steigern. Auf diese Weise nehmen wir den Ländern des globalen Südens auch ihre Ernährungssouveränität und vertreiben Menschen aus ihrer Heimat. Hinzu kommt, dass die Weltbevölkerung stetig wächst. Unser Planet Erde hat nicht genug Ressourcen, um uns Menschen täglich mit Fleisch zu versorgen.

Durch eine verstärkt pflanzenbasierte Ernährungsweise werden weniger Acker- und Weideflächen benötigt, sodass die fortlaufende Umwandlung von Tropenwäldern und Mooren in landwirtschaftliche Flächen auf ein Minimum gesenkt werden. Dadurch stünde den Menschen proteinreiches Getreide direkt zur Ernährung zur Verfügung, anstatt indirekt für die Fütterung von Tieren verwendet zu werden.
So ernährt ein Hektar fruchtbarer und unversiegelter Boden – je nach Region – etwa zwei Menschen mit Milch und Fleischprodukten oder ist Grundlage einer Jahresration Brot für mehr als 120 Personen. Auch die massiven direkten Treibhausgas-Emissionen (z.B. Methan und Lachgas durch die Tierverdauung und Tierexkremente) würde abnehmen. Schon die Verminderung der Anzahl an Tieren und der damit verbundenen Methan-Einsparung würde zu einer raschen Abnahme der gesamten Treibhausgase führen, da Methan aufgrund der relativ geringen Verweildauer von 15 Jahren in der Atmosphäre am schnellsten auf Änderungen reagiert. Methan stellt 17% der Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft dar und wirkt sich 25-mal so stark auf den Treibhauseffekt aus wie CO2.

Unsere Ernährung in Zahlen: Der verursachte Ausstoß von Treibhausgasen durch eine omnivore Ernährung („Allesesser*in“) einer „Durchschnitts-Person“ entspricht einer mit einem Auto (Modell BMW 118d bei 119 g CO² pro km) zurückgelegten Strecke von 4.758 km, also der Strecke Kassel – Mazari Sharif in Afghanistan (Luftlinie). Treibhausgas-Emissionen durch den Konsum von Milchprodukten (aber keinem Fleisch) entspricht einer Strecke von Kassel nach Barcelona hin und zurück (2.427 km, Luftlinie). Eine Ernährungsweise ohne tierische Produkte ergibt für eine Durchschnitts-Person pro Jahr eine Strecke von Kassel nach Berlin hin und zurück (629 km, Luftlinie).

Aller Anfang ist schwer, darum nutze die Fastenzeit zum Ausprobieren. Ich bin mir sicher, dass es Dir gar nicht so schwerfallen wird, mal kein Fleisch zu essen! Denn Du kennst schon viele „vegetarische“ und „vegane“ Rezepte. Nudeln mit Tomatensoße sind genau genommen „vegan“ und die hessische grüne Soße ist „vegetarisch“. Ich möchte Dich einladen, in dieser Woche (und langfristig), neue und alte Rezepte von auf pflanzenbasierten Gerichten zu entdecken und zu genießen. Denke dabei daran, dass du damit etwas Gutes tust, gegen die Ausbeutung von Klima und Umwelt, den Tieren, aber auch den Menschen im globalen Süden, die für uns Menschen im globalen Norden Futtermittel produzieren, sowie den Menschen aus Osteuropa, die für uns in Großbetrieben Unmengen an Tieren zu schlimmen Arbeitsbedingungen zerlegen.

Ein Beitrag von Daria Mundt, Mitglied des Kirchenchores und der Scientists For Future Kassel

Zur Vertiefung:

  • Die Komplexität des Klimawandels anschaulich erklärt: Nelles, D. & Serrer, C. (2018). Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel. KlimaWandel GbR.
  • CO2 Rechner für Nahrungsmittel: https://www.klimatarier.com/de/CO2_Rechner

Film-Tipp: Hope For All: Unsere Nahrung, Unsere Hoffnu

 
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