Einübung in die Begrenzung

…lautet die Überschrift des vorletzten Kapitels eines Buches von Fulbert Steffensky, das bereits 1989 im Kreuz-Verlag erschienen ist. Manchmal lohnt es sich, Bücher wieder zu lesen.Unter dem Titel „Wo der Glaube wohnen kann“ macht er Vorschläge für eine Spiritualität gegen die Hoffnungslosigkeit.

Im vorletzten Kapitel fragt er, was es für unser praktisches Verhalten bedeutet, in einer Lebenswelt zu sein, die so sehr durch Technik und unbegrenzte Möglichkeiten bestimmt ist. Und: „Wie können wir mit den Maschinen leben, ohne dass sie unsere Gesetzgeber werden? Wir wollen sie ja nicht einfach abschaffen. Sie haben uns eine Freiheit aus der Welt der Notwendigkeiten gebracht, auf die wir nicht mehr verzichten wollen.“

Aber unbegrenzte Möglichkeiten und Überfluss, das wird deutlich, kann auch Unfreiheit bedeuten.

Und so endet das Kapitel:

  • „Wir sollten uns – zumindest auf Zeit – der Dinge enthalten, die wir nicht wirklich brauchen. Die Zeit, die wir aufwenden, um mit unseren Händen zu erarbeiten, was uns die Maschinen eigentlich abnehmen könnten, ist keine verlorene Zeit. Die Zeit, die wir aufwenden, um einen Weg zu machen, den wir nicht mit dem Auto abkürzen, ist keine verlorene Zeit. Die Welt wird menschenähnlicher in der gegen die Allgegenwart der Maschine behaupteten Zeit. Vielleicht lebten wir auch miteinander weniger herrisch, wenn wir die Zeit einer Sache respektierten und den Weg zu ihr, wenn wir nicht mit Hilfe der Maschinen Weg und Zeit ständig von den Zielen abschnitten, die wir erreichen wollen. Vielleicht gelänge es uns, die Dinge wieder zu berühren, und nicht nur, sie zu behandeln.“

Kersti Schwarze, Evangelische Bücherei im Katharina-von-Bora-Haus

 

 

 

 
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