SahnetorteGenug ist genug

„Wenn du jeden Tag Sahnetorte isst, weißt du am Ende nicht mehr, wie Sahnetorte schmeckt.“ Ein Satz aus dem Kernbestand der Lebensweisheit meiner Großmutter. So einen Satz kann man nicht vergessen.

Nun war es im Haushalt meiner Großmutter gar nicht möglich, jeden Tag Sahnekuchen zu essen, dazu hätte das Haushaltsgeld niemals gereicht und die Zeit zum Backen auch nicht. Sahnetorte stand auf dem Kaffeetisch, wenn es etwas zu feiern gab, also eher selten. Aber zu Ostern hat meine Großmutter in jedem Fall einen Sahnekuchen auf die Tortenplatte geschoben.

Ich denke, der Mangel an Geld und Zeit war deswegen für ihren Satz nicht ausschlaggebend. Es war eher ihre die Haltung dem Leben gegenüber, ihre ethische Grundüberzeugung, die aus dem Satz meiner Oma sprach. „Wie und mit welcher Einstellung komme ich gut durchs Leben?“, mit solchen Fragen kannte sie sich gut aus.

Soviel du brauchst ...

 

Bild imperiale Lebensweise 2

Abb. Common Future e.V./I.L.A Kollektiv (2017). Auf Kosten anderer? Wie die imperiale Lebensweise ein gutes Leben für alle verhindert. Oekom Verlag, S.7

 Uns geht es hier in Kassel gut! Klar, manchmal sind wir traurig oder wütend, sind krank oder fühlen uns alleine. Gerade jetzt in Zeiten der Corona-Krise erleben wir einiges an negativen Emotionen. Aber sind wir mal ehrlich: im Großen und Ganzen können wir uns nicht beschweren. Wir leiden keinen Hunger, wohnen in einer gemütlichen Wohnung oder sogar in einem Haus, und können oder konnten uns nach einem Arbeitstag noch mit Freund*innen treffen, Abendessen kochen, Fernsehen gucken oder ein gutes Buch lesen. Wenn wir unsere Arbeit verlieren, dann können wir Arbeitslosengeld beziehen. Es gibt sogar Kurzarbeiter*innen-Geld. Wenn wir krank sind, dann haben wir die Krankenkasse, die die Kosten unsere Behandlung übernimmt.

Menschen an anderen Orten geht es bei weitem nicht so gut wie uns. Sie leben in prekären Bedingungen. Viele haben keinen Schulabschluss, weil sie schon jung Geld verdienen müssen, um sich und ihre Familie zu finanzieren. Sie arbeiten oft mehr als acht Stunden am Tag. Auf dem Teller fehlt es häufig an ausgewogener Ernährung. Urlaub und Reisen sind nur im Traum Realität.

Fastenkalender Klima

So viel Du brauchst – unser Essen, unser Klima!

Fleisch war (und ist) ein Zeichen des Wohlstands. Früher war Fleisch in Deutschland etwas Besonderes und kam, wenn überhaupt, einmal in der Woche auf den Tisch. Mit zunehmendem Wohlstand und der heutigen Massentierhaltung ist es nun möglich, dass täglich Fleisch auf unserem Tisch steht. Denn sind wir ehrlich: wenn wir die Tiere, die wir essen, selbst aufziehen, schlachten, ausnehmen und verarbeiten müssten, würden wir nicht jeden Tag Fleisch essen. Im Kontext des Tierwohls kennen wir den Diskurs, kein Fleisch oder gänzlich keine tierischen Produkte zu essen. Aber warum reden wir im Kontext Klimawandel so häufig von einer Reduktion des Konsums von tierischen Produkten?

Global macht der Anteil der Treibhausgas-Emissionen der Agrar- und Ernährungswirtschaft insgesamt über ein Viertel der menschengemachten Treibhausgase aus und trägt damit maßgeblich zum Klimawandel bei. Mit 42% stellen die CO2-Emissionen den größten Anteil unter den Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft dar. Im Mittel dauert es 120 Jahre bis CO2 aus der Luft wieder abgebaut wird.

Bei der Tierproduktion wird CO2 durch die eingesetzte fossile Energie bei der Futter- und Düngemittelproduktion, dem Futtermitteltransport und vor allem durch die Abholzung und Verbrennung von Wäldern für Acker- und Weideflächen emittiert. Die Entwaldung trägt durchschnittlich zu 20% aller globalen Treibhausgase bei. Durch die (Brand-) Rodung von Wäldern gehen die Bäume zudem als Sauerstoff-Produzierende und CO2-Aufnehmende verloren.

Fastenkalender WasserIN DIESER WOCHE ...

  • bestimme ich meinen persönlichen Wasserfußabdruck. waterfootprint.org
  • informiere ich mich über schädliches und unschädliches virtuelles Wasser.
  • überprüfe ich die Anbaugebiete für meinen Kaffee, Orangensaft und die Baumwolle im T-Shirt und suche Alternativen, die wenig schädliches virtuelles Wasser verbrauchen.
  • vermeide ich Fleisch und tierische Produkte, um meinen Wasserfußabdruck weiter zu minimieren.
  • denke ich über einen Einbau von Spartasten beim WC oder besondere Brause-Perlatoren beim  
    Waschbecken und Duschkopf nach.
  • versuche ich vor einem 2-minütigen Duschsong mit dem Duschen fertig zu sein und verzichte auf mein Vollbad.
  • informiere ich mich bei Organisationen, die für sauberes, frei zugängliches Trinkwasser für alle
    kämpfen, z.B. Vivaconagua, Brot für die Welt,Misereor.

Weiter Informationen unter https://www.klimafasten.de/

Einübung in die Begrenzung

…lautet die Überschrift des vorletzten Kapitels eines Buches von Fulbert Steffensky, das bereits 1989 im Kreuz-Verlag erschienen ist. Manchmal lohnt es sich, Bücher wieder zu lesen.Unter dem Titel „Wo der Glaube wohnen kann“ macht er Vorschläge für eine Spiritualität gegen die Hoffnungslosigkeit.

Im vorletzten Kapitel fragt er, was es für unser praktisches Verhalten bedeutet, in einer Lebenswelt zu sein, die so sehr durch Technik und unbegrenzte Möglichkeiten bestimmt ist. Und: „Wie können wir mit den Maschinen leben, ohne dass sie unsere Gesetzgeber werden? Wir wollen sie ja nicht einfach abschaffen. Sie haben uns eine Freiheit aus der Welt der Notwendigkeiten gebracht, auf die wir nicht mehr verzichten wollen.“

Aber unbegrenzte Möglichkeiten und Überfluss, das wird deutlich, kann auch Unfreiheit bedeuten.

 
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